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Korfu Kolumne von Roberto Bardéz

Urlaub auf Korfu

 

Die Saison geht zu Ende, überall wird Bilanz gezogen, bei den Urlaubern wie bei den Veranstaltern, und wie nicht anders zu erwarten, sind die Meinungen geteilt: Einige sind sehr zufrieden, andere maßlos enttäuscht, und die Schuldigen sind von den Unzufriedenen schnell ausgemacht - der teure Euro und natürlich all-inclusive.

Tatsache ist: Korfu wird erwachsen, genau wie der Rest von Griechenland. Wer mit dem Anspruch hierherkommt, einen Billig-Urlaub wie vor 10 oder 20 Jahren zu verbringen, ist enttäuscht - wenn das Bier 6 Euro kostet, macht der Durst keinen Spaß mehr.

Die Touristen jammern, das Essen sei so teuer geworden, die Tavernenbesitzer klagen, die Touristen hätten kein Geld mehr, doch wenn ich mit Gästen essen gehe, sehe ich noch immer die gleichen strahlenden Gesichter, wie ich sie auch vor 10 oder 20 Jahren schon gesehen habe: Korfu hat noch immer die Kraft, Besucher glücklich zu machen. Nur das Angebot ist vielfältiger geworden, und wer sich nicht darüber klar ist, wie er sich seinen Urlaub vorstellt, wird in der Tat enttäuscht: Er landet in der Edel-Kneipe und bezahlt 6 Euro für das Bier oder sitzt abends in einem all-inclusive Hotel, ein Glas Wein in der Hand, den Hintern in einem Luxus-Sessel mit Kissen drapiert, vor sich eine zwei Mann-Band, die lustlos vor sich hinklimpert, und fragt sich, was andere an Korfu so toll finden.

Die Antwort begann ich zu ahnen, als ich mit Freunden in einer Taverne saß, die sie mir unbedingt zeigen wollten, und meine Freunde sehr unglücklich waren, während ich vollkommen verzaubert war.

Wir saßen in einer Fischtaverne direkt am Meer, auf einfachen Holzbänken. Das Essen war nicht schlecht, aber auch nicht herausragend, die Aussicht war sehr schön, aber wenn man selbst mit Blick aufs Meer wohnt, ist das bei einer Taverne nicht mehr so wichtig. Das Aha-Erlebnis kam, als es Dunkel wurde und der Wirt das Licht anmachte - hartes, grelles, erbarmungsloses Neonlicht. Meine Gastgeber schrieen entsetzt auf, wie roh, wie unromantisch. Während ich nur sprachlos vor Entzücken war - ich durfte 20 Jahre in die Vergangenheit reisen. Die ersten Fahrten nach Griechenland, primitive Tavernen, gnadenlos hartes Neonlicht - und das Gefühl von Freiheit, von Gastlichkeit, von Geborgenheit: Wohlfühlen pur. Ich schwebte auf Wolken, saß wieder in der kleinen Taverne in Piräus, in der es keine Speisekarte, sondern nur fritierten Fisch, Bauernsalat, Brot und Wein gab. Aber was für leckeren Fisch! Was für wohlschmeckenden Salat! Welch herrliches Brot! Und erst der Retsina vom eigenen Weingut! Um mich herum Marinesoldaten in der Ausbildung, alle nur wenig Geld, aber ausgelassene Lebensfreude, dazu sehr, sehr gute Freunde - ich fühlte mich in diesem Moment so unglaublich glücklich.

Und merkte später im Gespräch mit anderen Menschen, dass genau das der Schlüssel zum Wohlfühlen auf Korfu ist: Die Freundlichkeit der Menschen, die Gastfreundschaft, das ehrliche Interesse, die Möglichkeit, Freunde zu finden und Familienanschluss zu bekommen. Melanie, die mit ihren Eltern seit mehr als 20 Jahren immer in die gleiche Pension geht, die ihre Gastgeber als Ersatzeltern bezeichnet und jedesmal aufblüht, wenn sie nach 11 Monaten endlich wieder heimkehrt. Kai, den es nicht im Geringsten stört, wenn ihm die Wirtin bedauernd mitteilt, was heute nicht auf den Tisch kommt, weil der Koch ausgefallen ist, sondern der begeistert berichtet, dies sei sein schönster Urlaub - so »daheim« habe er sich noch nie gefühlt und der mit Tränen in den Augen an den Rückflug denkt.

Es sind die Menschen, die Korfu zu dem machen, was es ist, und je einfacher die Verhältnisse sind, je offener private Probleme sichtbar sind, desto freier entfaltet sich diese Menschlichkeit, desto wärmer ist das Miteinander.

Luxushotels zum Verwöhnen gibt es überall, auch auf Korfu, und wer so etwas mag, kann auch auf Korfu einen schönen Urlaub verbringen. Doch ob es dann im nächsten Jahr nach Spanien, Bulgarien, in die Türkei oder die Dominikanische Republik geht, ist gleichgültig - Luxushotels sind unpersönlich und damit austauschbar.

Doch mit Jannis in seiner Taverne die Nacht durchgefeiert zu haben, Sonntag Morgen mit ihm zum Fischen rausgefahren zu sein, mit ihm über das Leben und die Liebe diskutiert zu haben, Sonntag Abend bei Jannis selbst am Grill gestanden zu haben und die gefangenen Fische selbst gegrillt zu haben - das kann man eben nur mit Jannis. Deshalb kommt man auch im nächsten Jahr wieder und deshalb weiß man, auch der nächste Urlaub wird schön - man kommt wieder nach Hause.

Das ist es, was Korfu von vielen Urlaubsparadiesen unterscheidet: Jeder Korfu-Fan hat seinen Jannis oder seinen Spiros oder seinen Georgos oder seine Sophia oder seine Maria gefunden, er fährt nicht nur nach Korfu, um hier Urlaub zu machen, er fahrt hierher, um wieder nach Hause zu kommen.

Möge es noch lange Tavernen mit primitiven Holzbänken und hartem Neonlicht geben - wo sie sind, ist auch die Herzlichkeit daheim.

 

Roberto Bardéz


Weihnachten auf Korfu

 

Kennen Sie dieses Gefühl? Man liegt im Bett, hundemüde, kann aber nicht einschlafen. Besonders schlimm ist es, wenn man dabei kalte Füße hat. Immer wieder kommt der Gedanke auf, ein Paar schöne warme Wollsocken wären jetzt genau das richtige. Doch der Schrank mit den Socken ist so weit weg, und abgesehen von den kalten Füßen ist es im Bett doch kuscheliger als im kalten Schlafzimmer. Außerdem möchte man die Frau oder Freundin nicht stören, und überhaupt wäre das alles mit viel Aktivität verbunden, zu der man sich nicht aufraffen kann, und so leidet man weiter, hin- und hergerissen zwischen Selbstvorwürfen, Selbstmitleid und dem immer wieder vergeblichen Appell an sich selbst, doch endlich zur Tat zu schreiten.

Der vergebliche Appell an den inneren Schweinehund, endlich aus dem Bett zu steigen und warme Socken anzuziehen, auf daß sich endlich der ersehnte Schlaf einstellen möge,  beruht aber nicht nur auf Faulheit, solche Momente haben auch ihr Gutes. Es sind Stunden, in denen die Gedanken kreisen.

 

Meine Gedanken konzentrierten sich in dieser Nacht auf Weihnachten. Es ist nicht immer einfach, den eigenen Gedankengängen zu folgen, doch meine kalten Füße brachten mich dazu, vom warmen Sommer zu träumen, und dabei fiel mir immer wieder die Frage von Besuchern ein: Wie ist es auf Korfu eigentlich im Winter, ganz speziell an Weihnachten? Im Sommer erscheint mir diese Frage unpassend, doch als ich nun daran denken musste, fielen mir viele Telefonate mit Freunden aus Deutschland ein, die mir in den letzten Wochen ein widersprüchliches Bild der Vorweihnachtszeit vermittelt hatten.

 

Zunächst hörte ich oft die Beschwerde, kaum sei die Bademode aus den Auslagen der Geschäfte verschwunden, schon werde sie durch Nikoläuse ersetzt. Man ärgerte sich, dass der Rummel um Weihnachten immer früher beginne, und versicherte mir, dieses Jahr nehme man selbst auf gar keinen Fall daran teil.

Dann kam der November mit vielen trüben Tagen, man brauchte wohl etwas Schönes, an das man denken konnte, und fing entgegen aller Versicherungen doch an, sich auf Weihnachten zu freuen. Wenn Anfang Dezember die ersten Weihnachtsmärkte öffnen, so hörte ich am Telefon immer öfter, seien Glühwein und Punsch angesagt, und ich merkte, meine Bekannten freuten sich darauf.

 

Auf Korfu ist es anders. Der Vorweihnachtsrummel hat hier keine Chance. Das merkte ich, als ich Anfang November Weihnachtskarten besorgen wollte. Ich ging in den nächsten Buchladen und bekam auf meine Frage ein Achselzucken zur Antwort. Und einen Fingerzeig nach draußen: Bei diesen Temperaturen und bei diesem strahlenden Sonnenschein an Weihnachten denken? Keine Chance.

Auch der Novemberfrust, der viel mehr als die Auslagen in den Geschäften die Vorweihnachtszeit begünstigt, hat auf Korfu keine Chance - er fehlt schlicht und einfach. Natürlich gibt es auch auf Korfu trübe Tage im November, dieses Jahr waren es sogar zwei. Die anderen 28 Tage verwöhnten mit Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Da träumen die Menschen auf Korfu nicht wirklich von Glühwein und Punsch, sie denken an ihre Oliven und sehen, dass die Orangenbäume Früchte tragen. Und fragen sich, ob der Herbst in diesem Jahr nahtlos in den Frühling übergeht.

 

Weihnachtsstimmung auf Korfu kommt erst mit der Adventszeit, wenn die Nächte wirklich lang werden und man sich freut, eine festliche Beleuchtung zu sehen. Es gibt keinen offiziellen Startschuß, einer fängt an, hängt die ersten Lichtergirlanden auf, und dann schießen sie aus dem Boden, die beleuchteten Bäume, die Weihnachtssterne, bis hin zu ganzen Häusern, die im Lichterglanz erstrahlen. Je bunter, je verrückter, desto besser.

 

In Deutschland dreht sich alles um Geschenke, je größer, je teurer, je mehr, desto besser. Heiligabend mit leuchtenden Kinderaugen vor dem Christbaum, ja, das hat etwas, und das gibt es auch auf Korfu, wenn auch nicht an Heiligabend, den es hier nicht gibt, sondern erst am ersten Weihnachtsfeiertag. Korfioten verbringen den Heiligabend gerne, wie andere Griechen auch, außerhalb mit Freunden in einer Taverne. Geschenke gibt es dann aber auch, liebevoll ausgesuchte Kleinigkeiten, die man sich am ersten Weihnachtsfeiertag unter dem Christbaum überreicht, Gesten der Freundschaft, nicht des Kaufrausches.

 

Die Vorweihnachtszeit auf Korfu ist kürzer als in Deutschland, und Weihnachten ist auch nicht so wichtig, denn das wichtigste Fest des Jahres ist das Osterfest. Doch vielleicht ist es gerade diese fehlende Betonung, die Weihnachten auf Korfu zu etwas ganz Besonderem macht. Denn Weihnachten auf der Insel ist keine Zeit der hektischen Einkäufe, keine Zeit der aufwendigen Vorbereitungen: Es ist eine Zeit der Ruhe, einige wenige Tage, die man im Kreise der Familie und mit Freunden verbringt, es ist eine intensive Zeit, voller Friede und Freude. Und so, denke ich manchmal, sollte Weihnachten auch sein.

 

Frohe Weihnachten

 

Roberto Bardéz


Kermit ist aufgewacht

 

Wenn man sich nichts zu sagen hat, unterhält man sich über das Wetter. Ein langweiliges Thema - möchte man meinen. Die Praxis zeigt, dass es gelegentlich sogar sehr spannend sein kann.

 

Wenn ich mich über das Wetter in Deutschland unterhalte, höre ich meist, das Wetter spiele gerade verrückt. Entweder ist es zu kalt oder zu warm, für die Jahreszeit zu trocken oder zu nass, demnächst vermutlich auch für die Tageszeit zu hell oder zu dunkel, ich glaube, die Statistiker sind bald soweit.

Die Erderwärmung ist ein großes Thema, der Treibhauseffekt für alles mögliche verantwortlich: Ist es zu warm, liegt das natürlich daran, dass die Erde viel zu sehr aufgeheizt wird, ist ja logisch. Kommt dann ein Winter wie der letzte, ist auch das dem Treibhauseffekt zuzuschreiben - schließlich weiß jedes Kind, dass es in einem Treibhaus auch mal lausig kalt werden kann.

 

Auf Korfu werde ich oft gefragt, wie denn das Wetter morgen sein werde, und meine Antwort, zugegeben eine Standardantwort, basiert auf penibel ermittelten statistischen Daten. Seit ich auf der Insel lebe, gab es jeden Tag ein Wetter, und für mich spricht deshalb einiges dafür, dass wir auch morgen wieder ein Wetter haben werden. Das sage ich den Fragestellern auch und wissen Sie was? Bislang hatte ich noch immer recht.

Karl Valentin, der Münchner Komiker, war auch ein großer Wetterexperte. Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse lautet: Nachts ist es dunkler als draußen. Bislang hat es noch kein Meteorologe geschafft, diese Theorie zu entkräften, obwohl Vollmondnächte im schneebedeckten Gebirge im direkten Vergleich mit grauverhangenen Wolkendecken gelegentliche Zweifel bescheren.

 

Was ich aus Deutschland mitgebracht habe auf die Insel, ist das Wissen um die Jahreszeiten - jedenfalls in der Theorie: Kalt im Winter, warm im Sommer, im Frühling und im Herbst versucht Petrus gelegentlich, die richtige Einstellung für den Thermostaten zu finden.

Wäre Griechenland unter dem Einfluss deutscher Meteorologen, müsste vermutlich jedes Jahr um die Weihnachtszeit das große Wehklagen einsetzen, denn da weiß das Wetter nicht, wie es sich zu verhalten hat - Pedros, der griechische Vetter von Petrus, ignoriert den Blick in den Kalender, vergisst, dass es Winter ist und damit kalt zu sein hat, er stellt die Sonne an und lässt sie kräftig strahlen.

Doch die Griechen halten zum Glück nicht viel von Meteorologen, zumal die im Sommer nicht viel zu tun hätten, denn wenn es in Griechenland Sommer ist, dann ist es auch Sommer, und die Prognose von Anfang April bis Ende November, morgen ist es warm und die Sonne scheint, hat statistisch eine Wahrscheinlichkeit von weit über 90% - von solchen Trefferquoten können Meteorologen bislang nur träumen.

Und so verfallen die Griechen - und nach einigen Jahren auch die Pan-Hellenen - nicht in den Klageruf „Es ist für die Jahreszeit zu warm", wenn sie um die Weihnachtszeit herum im Kafenion sitzen und die warme Sonne genießen, sondern sie freuen sich über das schöne Wetter und suchen die Erklärung in der Mythologie: Es ist die Zeit der Alkynoiden.

Alkyone war, so wird berichtet und ich denke, man darf es glauben, ein sehr attraktives junges Mädchen. Zeus, der Göttervater, der eine große Schwäche für attraktive junge Mädchen hatte, machte Alkyone den Hof und diese, wie attraktive junge Mädchen manchmal sind, wurde schwach: Die Beiden hatten eine heftige Affäre.

Hera, die Götter-Mutter und leider auch die Gemahlin von Zeus, wurde, wer mag es ihr verdenken, sehr wütend und verzauberte das inzwischen schwangere Mädchen in einen Vogel. Ob Zeus den Zauber nicht mehr rückgängig machen konnte, ob er es nicht rückgängig machen wollte, weil ihn inzwischen ein anderes junges Mädchen mehr faszinierte, ist nicht bekannt, doch er sah zumindest ein, dass seine Alkyone als Vogel ein warmes Plätzchen brauchte, um ihre Eier auszubrüten. So schenkte er ihr 30 warme Tage - ein Zauber, der bis heute anhält und der den Griechen fast jedes Jahr von Mitte Dezember bis Mitte Januar eine Erholung vom Winter verschafft. Ein Sonnenbad an Silvester ist nur dann gefährlich, wenn man die Sonnencreme dabei vergisst.

 

Was hat das nun mit Kermit zu tun, meinem Frosch, von dem noch immer nicht ganz klar ist, ob er nun ein Frosch oder eine Kröte ist, die Experten streiten noch. Kermit richtet sich nicht nach dem Kalender und nicht nach den Meteorologen, er hält jedes Jahr seinen Winterschlaf, und weil er ein griechischer Frosch oder eine griechische Kröte ist, nimmt er sich dafür viel Zeit: Ab September ist von ihm kein Laut mehr zu vernehmen. Doch Kermit lässt es sich niemals nehmen, den Frühling als erster zu begrüßen, und damit hat er bislang noch jede meteorologische Prognose und sogar den 100jährigen Kalender geschlagen: Wenn Kermit erwacht und die ersten zaghaften Quaker von sich gibt, ist die Zeit des Frühlings gekommen.

 

Nun ist es wieder soweit: Kermit ist erwacht, für deutsche Meteorologen „zu früh", für mich gerade rechtzeitig: Der Frühling hat begonnen. Ist das nicht eine wunderbare Botschaft?

 

Roberto Bardéz

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