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Korfu Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart

Erste menschliche Spuren auf Korfu
Erste menschliche Spuren tauchten auf Korfu in der letzten Eiszeit auf. Kerkyra war keine Insel, sondern ein Fortsatz des Festlandes. Im Gebiet der Korrision-Lagune wurden Werkzeuge aus der Mittleren Altsteinzeit gefunden (50 000 - 40 000 v.Chr.). In der Jungsteinzeit (10 000 - 2500 v.Chr.) war Kerkyra bereits eine Insel. Prähistorische Siedlungen wurden u.a. in Afionas, Messongi und am Fluss bei Dassia entdeckt.

Neuere Geschichte - Könige von Anjou (1267 - 1386)
Im Jahr 1267 fiel Korfu an den in Neapel herrschenden Karl von Anjou. In den gut hundert Jahren dieser Herrschaft wurde die orthodoxe Kirche von den "neuen Herren" bekämpft. Im Jahr 1386 schloss sich Korfu freiwillig Venedig an.

Venezianerherrschaft (1386 - 1797)
Venezianisches Herrenhaus Alt Perithia KorfuAm 28.Mai 1386 wurde die venezianische Flagge gehisst. Von der folgenden kulturellen Blüte zeugt heute noch die Altstadt von Korfu. Die Regierungszeit hatte absolut hierarchische Strukturen, welche die Einwohner in Adlige, Bürgerliche und  das Volk unterteilte. In der Erwartung weiterer Angriffe durch die Osmanen wurde Korfu im 16. und 17.Jh strategisch umgebaut.

1716 wurde die Stadt abermals belagert und 33 000 Türken standen Graf Matthias von der Schulenburg mit seinen 8000 Mann gegenüber. Aufgrund des Wetters zogen sich die Angreifer jedoch zurück. Für die Griechen schien das ein Wunder, welches dem Inselheiligen St.Spiridon zugeschrieben wird.

Gleichzeitig war dies die letzte Belagerung der Insel Korfu durch die Türken. Fast ein ganzes Jahrhundert dauerte der nachfolgende Frieden, welcher den Handwerkern und Kaufleuten der Stadt in dieser Zeit Wohlstand brachte.

Französisches Regime (1797 - 1807)
Am 17.Oktober 1797 wurden die Ionischen Inseln den Franzosen übereignet. Die Siege Napoleons in Europa wurden allgemein bewundert. Frankreich krempelte die vorhandene Gesellschaftsordnung um und führte freien Handel ein. Anfängliche Begeisterung schwand jedoch bald, da Kaufleute mit hoher Steuer belegt wurden und das religiöse Empfinden der Korfioten durch den Atheismus der Besatzer stark gestört wurde. Die französischen Besatzer kamen bald durch unzureichende Schiffsverbindungen und Versorgungsengpässe in Bedrängnis und halfen sich mit einer Zwangsanleihe, wodurch die Unzufriedenheit der Bevölkerung stark anwuchs.

Den Franzosen wurde durch die Türken und deren Allianz mit Russland der Krieg erklärt. Sie vertrieben die Franzosen und der Sieben-Insel-Staat wurde ausgerufen. In russischem Auftrag wurde die Regierung von Ioannis Kapodistrias geführt, bis die Inseln 1807 von Russland wieder an Frankreich überlassen wurden.

Korfu unter dem kaiserlichen Frankreich (1807 - 1814)
Frankreich versuchte, den britischen Einfluss im Mittelmeer zurückzudrängen und unterstützte die Bestrebungen der Griechen nach Unabhängigkeit. In dieser Zeit bauten die Franzosen den Liston mit den Arkaden. Frankreich verlor aufgrund des Russlandfeldzugs in Europa an Boden und die Engländer drangen auf die Ionischen Inseln vor. Im April 1814 besetzten die Engländer Korfu ohne Kampfhandlungen. Ein Jahr später wurden die Ionischen Inseln auf dem Kongress von Paris an die Engländer übereignet.

Vereingte Ionische Inseln (1814 - 1864)
Der erste Hochkommisar wurde Thomas Maitland. Zur Erinnerung an seine Ankunft wurde der Rundtempel (Maitlands Rotonda) im oberen Teil der Spianada erbaut. Die Ionischen Inseln erhielten eine neue Verfassung. Zur Staatsreligion wurde der griechisch-Maitlands Rotonda in Kerkyraorthodoxe Glauben erklärt. Griechisch wurde zur offiziellen Staatssprache. Die Engländer bauten die Infrastruktur aus und das Wasser- und Abwassersystem der Stadt wurde unter der Regentschaft von Sir Frederick Adam gebaut. Ein Denkmal von ihm steht heute im Park des Palastes. Die englischen Einflüsse sind heute noch durch das Ingwerbier und das Cricketspiel an der Esplanada zu spüren.

1828 wurde Ioannis Kapodistrias erster Präsident von Griechenland. Die politische Karriere des bedeutenden Staatsmannes endete vier Jahre später durch seine Ermordung 1831 in Nafplion. Zum griechischen König wurde der bayrische Prinz Otto ernannt.

Abtretung der Ionischen Inseln an Griechenland
Die Handlungen König Ottos waren oft nicht im Interesse der Engländer und so wurde er abgesetzt. England setzte den ihm genehmen Georg von Dänemark ein und übergab im Gegenzug die Ionischen Inseln 1864 an Griechenland. Am 21.Mai 1864 fand die Übergabezermonie statt und seit damals ist der 21.Mai örtlicher Nationalfeiertag auf den Ionischen Inseln.

Das griechische Korfu
1864 - 1912
Das ländliche Korfu war im Laufe der letzten Jahrhunderte wenigen Veränderungen unterworfen. Die Insel blieb unterentwickelt. Allgemeines Wahlrecht gab es nur für Männer und alle Parlamentsabgeordneten im Jahre 1864 waren "Agrarier". Sie traten für die Entschuldung der korfiotischen Pächter ein. Erst 1912 konnte ein Gesetz verabschiedet werden, welches die Bauern von ihrer Bürde (ständige Schulden) befreite. Der Landadel verlor die letzte Macht, die er über die ehemaligen Leibeigenen ausgeübt hatte.

Für Bildungsdefizit sorgte 1865 ein Gesetz, durch das die Schließung der Ionischen Akademie und der höheren Schulen verfügt wurde. Das Defizit sollte durch Privatschulen ausgeglichen werden. Die Mehrheit der "Agrarierfraktion" dauerte nicht lange an. Durch Druck der Konservativen wurde die Insel in drei Wahlkreise geteilt - in Korfu Stadt, Oros und Mesis. Die korfiotische Stadtverwaltung wurde durch einen königlichen Erlass im Jahre 1866 geschaffen.

1912 - 1940
Durch den Niedergang der Türkei wurde England wieder zur dominierenden Macht im Mittelmeer. Während des 1.Weltkriegs wurde die Insel friedlich von den Franzosen besetzt. Griechenland war politisch und wirtschaftlich instabil und zu Beginn des 20.Jahrhunderts in mehrere Kriege gegen die Türkei involviert. Erst ab September 1922 herrschte wieder Frieden und ein Wertewandel schien stattgefunden zu haben.

Der 2.Weltkrieg
Italien hatte es mit der Torpedierung eines griechischen Zerstörers auf eine Kriegserklärung abgesehen, welche am 28.Oktober 1940 prompt erfolgte. Drei Tage später wurde die Stadt bombardiert, was 200 Todesopfer und erhebliche Zerstörungen forderte.

Am 28.April 1941 besetzte die italienische Armee die Insel. Die Italiener wurden von der Bevölkerung nicht akzeptiert und konnten sich nicht durchsetzen. Nach verlorenem Krieg mit Griechenland verdankte Italien die Anwesenheit auf Korfu nur noch den deutschen Verbündeten. Nachdem Mussolini in Italien abgesetzt war, kam es zu einem deutsch-italienischen Konflikt und die auf Korfu stationierten Italiener mussten gegen die ehemaligen Verbündeten kämpfen. Am 14.September 1943 bombardierten die Deutschen die Stadt Korfu. Die Insel erlitt wohl die schwersten Zerstörungen in ihrer Geschichte. Ein Drittel der Innenstadt in Trümmern, viele Häuser stark beschädigt. Der Schutt diente übrigens später als Füllmaterial für den in den fünfziger Jahren gebauten Flughafen in der Chalikopoulos-Lagune.

Deutsche Besatzung
Die "Edelweiß-Division" landete auf Korfu und rückte über Lefkimmi auf die Stadt vor. Am 25.September 1943 war die Insel besetzt. Die italienischen Soldaten, welche Unterstützung verweigerten, wurden erschossen. Über 2000 korfiotische Juden wurden im Sommer 1944 nach Deutschland deportiert. Weniger als 100 kamen zurück. Unterhalb der Neuen Festung erinnert heute ein Mahnmal an ihr Schicksal. Mit den deutschen Niederlagen an der Ostfront zeichnete sich das Ende des Kriegs ab. Die Engländer kämpften sich 1944 zu den Ionischen Inseln durch und die Deutschen zogen im Oktober 1944 ab.

Mahnmal in Korfu Stadt
1945 bis heute - Moderne Geschichte
Die Durchschnittsbevölkerung lebte in der Nachkriegszeit am unteren Existenzminimum und immer mehr Korfioten wanderten in dieser Zeit ins Ausland und/oder nach Athen ab. Eine neue Ära begann erst 1951 mit Eröffnung des "Club Mediterrane" in Ipsos. Die Tourismusindustrie hatte ihren Anfang genommen und brachte vielfältige Veränderungen mit dem größten Boom, der letztlich in den 60er Jahren begann und Wohlstand auf die Insel brachte.

Politische Kräfte
Der konservative Politiker Konstantin Karamanlis fährte ab 1955 mehrere Regierungen an. Griechenland sollte dem westlichen Europa näher gebracht werden. Ab 1962 wurde Griechenland Mitglied der EWG. Georg Papandreou gewann mit der EDA-Partei 1963 die Wahlen. König Konstantin II setzte ihn jedoch infolge eines Streits ab und es kam zu Streiks und Demonstrationen im Hinblick auf die für Mai 1967 vorgesehenen Wahlen.

Militärdiktatur
Zu dieser Wahl im Mai 1967 kam es nicht, denn rechte Offiziere putschten am 21.04.1967 und errichteten eine Diktatur. Zensur wurde eingeführt, aktive Linke wurden verhaftet, Streiks und Gewerkschaften waren verboten. König Konstantin II versuchte im Dezember 1967 wieder die Oberhand zu gewinnen und musste schließlich ins Exil. Die Europäische Gemeinschaft fror als Reaktion auf den Putsch die an GR gewährten Kredite ein, aber ungeachtet dieser politischen Umstände wuchs der Tourismus und viele Länder hielten trotz der Diktatur wirtschaftliche Beziehungen zu Griechenland aufrecht. 1974 bricht das Militärregime im Zusammenhang mit dem Zypernkonflikt zusammen, freie Wahlen finden statt. Unter Ministerpräsident Karamanlis kehrt Griechenland zur Demokratie zurück.

Kurs für die europäische Währungsunion
Unter der Regierung von Kostas Simitis wird Griechenland 1998 auf Kurs für die Europäische Währungsunion gebracht. 2001 führt das Land den Euro ein.

Finanzkrise
2010: Griechenland steht vor dem Staatsbankrott. Nur durch einschneidende Sparmaßnahmen und Finanzhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds kann das Land vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden.

2015: Das radikale Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras gewinnt die Neuwahlen. Tsipras verspricht den Wählern, das Sparprogramm zu beenden. Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone (Grexit) steht im Raum. Die neue Regierung ringt mit der EU um einen Kompromiss. Am 5. Juli 2015 stimmt das griechische Volk in einem Referendum gegen die Gläubigerforderungen. Die griechische Regierung legt kurz darauf ein Reformpaket vor, das zum Großteil den Gläubigerforderungen entspricht. Die Bevölkerung leidet unter der griechischen Staatsschuldenkrise.

2017: Die Schuldenkrise bleibt beherrschendes Thema. Tsipras kündigt kurz vor dem Jahreswechsel 2016/2017 ein Sonderprogramm mit Zahlungen für gering verdienende Rentner an, was für Verstimmung bei den internationalen Gläubigern und der eigenen Regierung sorgt. Die innenpolitische Lage gilt als unsicher, bei aktuellen Umfragen liegt die konservative Nea Dimokratia (ND) deutlich vor der Regierungspartei. Fast täglich fordern die Oppositionsparteien Neuwahlen.

2018: Im August laufen die Kreditprogramme des Landes aus und Alexis Tsipras verspricht der griechischen Bevölkerung wieder Unabhängigkeit.
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